Bettina M. Wiesmann
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Dr. Olaf Lewerenz und Bettina M. Wiesmann MdL

CDU im Wahlkreis 38 diskutiert die Frage: Brauchen wir Religionsunterricht an unseren Schulen?

Frankfurt am Main, 30. März 2015. Die CDU-Stadtbezirksverbände Nordend, Bornheim und Ostend sowie die Junge Union – Frankfurt Ost haben gemeinsam mit Bettina M. Wiesmann MdL in der Schopenhauer-Lounge die kontroverse Frage nach dem konfessionellen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen gestellt. Als Gast und Impulsgeber konnte die CDU den erfahrenen Religionslehrer und Stadtkirchenpfarrer Dr. Olaf Lewerenz aus der evangelischen Gemeinde Frankfurt gewinnen. Zudem waren auch Gäste aus der Ahmadiyya-Gemeinde erschienen, die das Thema „Islamischer Religionsunterricht“ mit in die Diskussion brachten.

Bettina Wiesmann eröffnete die Diskussion: „Einerseits nimmt die Bindekraft der großen christlichen Konfessionen in unserem Land ab, auf der anderen Seite wächst die Zahl der Menschen aus anderen Glaubensgemeinschaften, wie dem Islam, stetig an. Dabei sind die Nichtgläubigen bereits die größte Gruppe. Der in Hessen als erstem Bundesland eingeführte islamische Religionsunterricht läuft aktuell in rd. 30 Grundschulen, Partner sind bislang zwei der Vielzahl islamischer Glaubensrichtungen. Was heißt all dies für den schulischen Religionsunterricht insgesamt, für die Vermittlung von Glaubensfragen und Werthaltungen, für das Miteinander der Religionen an Schulen, aber auch für die Organisation von Unterricht in diesem Fach?“

Dr. Olaf Lewerenz schilderte zunächst die Realität an Frankfurter Schulen. Vielfach sei es mittlerweile schwierig, Klassen für konfessionellen Unterricht überhaupt zu bilden. „In einer Hauptschule sind in drei oder vier Klassen weniger als zehn Jugendliche im Unterricht“, so Dr. Lewerenz. Zugleich betonte Dr. Lewerenz aber auch den Wert des bekenntnisorientierten Religionsunterrichts, auch und gerade ggü. dem Ethikunterricht: „Junge Menschen wollen, dass Lehrer nicht nur Kenntnisse vermitteln, sondern auch selbst Position beziehen, um in ihrer eigenen Positionsbestimmung und Identitätsfindung voranzukommen. Die neutrale Präsentation verschiedener Glaubensrichtungen und -formen, die im Ethikunterricht gefordert ist, bringt für die Positionsbestimmung nichts. Hier werden lediglich Aspekte und Optionen dargelegt, jedoch nicht bewertet. Jugendliche fordern aber Bewertungen ein. Ob dies am Ende zu einem Bekenntnis führt, und wenn ja, zu welchem, ist unerheblich. Unsere Aufgabe in der Schule ist nicht, Schüler zu missionieren, sondern zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung beizutragen.“

Im Zuge der nachfolgenden Diskussion mit den Gästen kamen zahlreiche Vorschläge zur Sprache. Während einige Wortmeldungen bekenntnisorientierte Religionsunterricht in der Schule zu Gunsten eines gemeinsamen Ethikunterrichts für alle aufgeben möchten, betonten andere, wie wichtig es sei, gerade in einer immer säkulareren und vielfältigeren Gesellschaft daran festzuhalten. Kinder bräuchten einen Ort, um die Sinnfrage zu stellen und Antworten zu suchen; dass dies im privaten Bereich gelinge, sei angesichts der veränderten Familienstrukturen nicht mehr selbstverständlich, betonten die einen. Die Wertevermittlung, um die es eigentlich gehe, brauche einen eigenen Ort in der Stundentafel, der für alle verbindlich sei, argumentierten die anderen.

In ihrer Zusammenfassung hob Wiesmann die Gemeinsamkeiten hervor: Schule müsse ebenso religiöse Kenntnisse und Vorstellungen vermitteln wie das Wertefundament unserer Gesellschaft. Dazu gehöre es selbstverständlich, schon früh ein Bewusstsein für die Verschiedenheit von Glaubensbekenntnissen zu entwickeln und den Dialog zu üben. Angesichts der religiösen Vielfalt müsse über neue Formen und Formate des Religionsunterrichts, auch im Verhältnis zu Philosophie und Ethik, nachgedacht werden.

„Ich würde mir wünschen, dass die christlichen Kirchen sich stärker auf einen gemischtkonfessionellen Unterricht v.a. in der Grundschule, verständigen. Auch Projektarbeit oder die Kooperation mit anderen Schulfächern könnte es erleichtern, für verschiedene Bekenntnisse weiterhin bekenntnisorientierten Unterricht anbieten zu können. Wertevermittlung muss weiterhin eine Rolle spielen, hier sind auch andere Schulfächer, von Deutsch über Geschichte und PoWi bis Ethik, gefragt. Eine Abkehr von Deutschlands besonderem Staat-Kirche-Modell, das den Glauben in der Gesellschaft lebendig hält, ohne eine Kirche für den Staat zu vereinnahmen, überzeugt mich hingegen nicht“, so Wiesmann zum Schluss.