Bettina M. Wiesmann
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Schulwahlveranstaltung am 18. Mai 2015

Schulwahl und Schulentwicklung in Frankfurt

CDU diskutiert Leitlinien für die Schulpolitik: “Frankfurt braucht schnellstens mehr Schulplätze, ein besseres Schulwahlverfahren und weitsichtige Schulentwicklung, die zügig umgesetzt wird”

Am 18. Mai 2015 diskutierte der Fachausschuss Bildung der CDU Frankfurt am Main gemeinsam mit 12 Stadtbezirksverbänden der CDU und fünf Podiumsgästen das Thema Schulwahl und Schulentwicklung in Frankfurt am Main von 2016 bis 2020. Der Abend wurde moderiert von Dr. Matthias Alexander, Leiter der Rhein-Main-Redaktion der FAZ.

Nach der Eröffnung durch die Vorsitzende des Fachausschusses, Sara Steinhardt, begrüßte der Kreisvorsitzende der Frankfurter CDU, Stadtkämmerer Uwe Becker, die anwesenden 120 Gäste. Er zeigte Verständnis für die Sorgen vieler Eltern, deren Kinder nicht die gewünschte Schule zugeteilt bekamen, betonte aber auch die großen Anstrengungen, die die schwarz-grüne Koalition bereits in der Vergangenheit unternommen habe: „Wir werden mit Blick auf eine wachsende Stadt immer mehr Anstrengungen unternehmen, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.“ Er verwies aber auch auf eine gesellschaftliche Aufgabe: „Kinder sind nicht weniger vollwertige Menschen, nur weil sie nicht das Abitur, sondern eine Berufsausbildung anstreben“, so Becker.

In der anschließenden Diskussion betonte Bettina M. Wiesmann MdL, dass das Schulwahlverfahren reformiert werden müsse. „Das Schulgesetz bietet eine gute Grundlage: Dort heißt es, die Eltern entscheiden über die Wahl der weiterführenden Schule im den Grenzen der Eignung des Kindes. Allen Eltern muss transparent gemacht werden, welch vielfältige Wege und Anschlussmöglichkeiten das hessische Schulsystem bietet. Darüber hinaus muss eine ehrliche Einschätzung der Eignung des Kindes erfolgen, in die auch die Grundschulleistungen einfließen, zB in Form eines verbindlichen Mindestnotenschnitts für die Gymnasialempfehlung. Schließlich sollten die aufnehmenden Schulen am Verfahren beteiligt sein, zB durch ein verpflichtendes Beratungsgespräch für Eltern, die einen anderen als den von der Grundschule empfohlenen Bildungsgang wählen wollen.”, so die Schulpolitikerin.

Der Schulleiter der Helmholtzschule, Gerrit Ulmke, zeigte ebenfalls Verständnis für den Unmut der Eltern. “Wir Schulleiter bemühen uns, vor allem unserer pädagogischen Verantwortung gerecht zu werden, und bedauern, dass das Verfahren an manchen Stellen bei Eltern zu Irritationen führt. Ein Weg, die Hemmschwellen gegenüber den nichtgymnasialen Bildungsgängen zu senken, könnte sein, in die Veranstaltungen zur Elterninformation das Handwerk und die Industrie einzubeziehen”, griff der Christdemokrat einen Publikumsbeitrag auf. Ulmke leitet die Arbeitsgemeinschaft christlich-demokratischer Lehrer (ACDL) in Hessen.

Alix Puhl, der Vorsitzenden des Stadtelternbeirates, fiel die Aufgabe zu, den Planungsprozess der Stadt kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die Planungen für mehr Schulplätze seien angesichts des vorhersehbaren Anstiegs der Schülerzahlen um Jahre zu spät in Gang gekommen. „Hier trägt die Politik Verantwortung”, so Puhl. “Auch werden Information nur salamimäßig weitergegeben, das neue Gymnasium in Nied ist hierfür ein gutes Beispiel.”

Mit Blick auf die Schulentwicklung forderte der Direktor der Fürstenbergerschule, Hans-Werner Jorda, eine faire Berücksichtigung von Realschulen im Schulentwicklungsplan und kritisierte die einseitige Ausrichtung auf IGS und Gymnasium. „Auch die vielen Realschulen leisten hervorragende Arbeit, zumal häufig in kleinen Systemen, die den Förderbedürfnissen der Kinder besser gerecht werden! Es kann nicht sein, dass in Frankfurt 57% der Viertklässler aufs Gymnasium wechseln und in Fulda lediglich 36%. Hat Frankfurt die begabteren Kinder? Wohl kaum”, merkte Jorda an.

Sabine Fischer, bildungspolitische Sprecherin der CDU im Römer und Leiterin einer Grund-, Haupt- und Realschule, verwies auf die Gründung des Gymnasiums am Riedberg und den geplanten Neubau in Nied. Sie unterstrich, dass die CDU ein mehrgliedriges, vielfältiges Schulsystem zur Stärkung der individuellen Fähigkeiten eines jeden Individuums befürworte. „Auch wenn die Hauptschule in der Klasse 5 kaum noch angewählt wird, haben wir in unseren Hauptschulzweigen überall ab Jahrgangsstufe 7 gut gefüllte Klassen, die meistenteils erfolgreich zum Schulabschluss geführt werden. Diese Kindern dürfen wir nicht wegdiskutieren, sondern müssen ihnen auch künftig gerecht werden“, unterstrich die Stadtverordnete.

Zum Abschluss verwies Sara Steinhardt auf die klaren Unterschiede zwischen CDU und Grünen im Land und in der Kommune: „Wer ein gegliedertes Schulsystem möchte, das die individuellen Stärken und Schwächen, aber auch Neigungen Begabungen von Kindern anerkennt, ist bei uns richtig. Wir wollen verhindern, dass das Gymnasium zur neuen Einheitsschule wird, und deshalb unser vielfältiges Schulwesen in allen Schulformen und Bildungszweigen gleichermaßen ausbauen.“